Bracht

 

 

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Historie

Bracht liegt 22 km15) südwestlich von Meschede an der alten Heidenstraße auf der topographischen Höhe von 452,5 m bis 480 m über NN. Die Heidenstraße nimmt ihren Verlauf, von Köln kommend, Richtung Kassel/Leipzig. In Bracht kreuzt sie den Kriegerweg, der von Paderborn über Meschede, Buemke/Buenfeld und Bremke nach Siegen führt1).

Die Karte zeigt die Anbindung von Bracht an die alten Verkehrswege

Der Ort liegt in einem wasserreichen Hochtal, auf drei Seiten eingerahmt von bis zu über 600 m hohen Bergen. Lediglich die nordöstliche Seite dieses Hochtales ist offen in Richtung Kückelheim / Arpe. Am Fuße der Helle, ein Bergrücken mit einer Höhe von 621 m über NN im Südosten von Bracht ansteigend, entspringt im „Ruthen“ die  Arpe, ein Bach, der in seinem weiteren Verlauf die Ortschaft Arpe durchquert und in Niederberndorf in die Wenne einmündet.

Der niedrigste Punkt des Ortes befindet sich mit 452,5 m über NN im Unterdorf beim ältesten Gebäude von Bracht, das bereits im Jahr 1619 erbaut wurde. Seit dem Jahr 1963 steht das alte Fachwerkhaus im Eigentum der Familie Albers, nachdem es zuvor über Jahrhunderte der Familie Gerwin/Gerbe, als Hofstelle gedient hatte. Die Wirtschaftsgebäude wurden später abgerissen, um Platz für ein neues Wohnhaus mit Garagen zu schaffen.

Der Name Bracht bedeutet soviel wie Abtrennung (brechen) und Scheide. Er findet sich in Namenszusammensetzungen benachbarter Dörfer häufiger wieder. So Plettenbracht (Plettenberg), Aldenbracht, Varbracht, Verenbracht (Fehrenbracht), Halverbracht (Halberbracht)13).

Die Gründung des Ortes Bracht ist schon in sächsischer Zeit erfolgt. Von Westen her wanderten Franken in das fast menschenleere Gebiet des Sauerlandes ein. Aus dem Norden kamen Sachsen. Diese erreichten etwa 750 n. Chr. den Nordhang des Rothaargebirges1). Eine genaue zeitliche Zuordnung der Gründung ist jedoch heute mangels Urkunden und Dokumenten nicht mehr nachvollziehbar. Im Jahr 1306 wird Bracht erstmals urkundlich erwähnt. Die Brüder Richard und Dietrich von Bracht sind in einer Urkunde des Grafen Wilhelm von Arnsberg für Kloster Benninghausen als Zeugen benannt2).

Das Dorf hatte nur wenige, allerdings sehr alte und bedeutende Höfe. Zu den ältesten zählte das Gloer-Gütchen, dessen Eigentum sich die Yffelper und Dorlarer Kirche im Mittelalter teilte3). Von den Pächtern, die sich stets neu bewerben mußten, sind zu erwähnen: 1603 Schmith, 1716 Gottschalk Schmid, nach 1818 Franz Beste. Mit Genehmigung der Dorlarer Kirche überließ Franz Beste die Gutshälfte seinem Schwager Franz Koch, der den ganzen Besitz 1820 käuflich erwarb. 1833 hatte das GloerGütchen eine Größe von 82 Morgen14). Ein Nachfahre des Franz Koch, der Land- und Gastwirt Wilhelm Koch heiratete am 1. Mai 1905 die später bekannte sauerländische Dichterin Christine Koch, die am 23. April 1869 in Herhagen im Hennetal bei Reiste geboren wurde. Sie starb am 18. April 1951 im Alter von fast 82 Jahren. Ihr Grab befindet sich auf dem Friedhof zu Bracht.

Der Thomas-Hof, zu einem Viertel im Mannesstamme lehnrührig dem Rumpf zur Wenne (Frhr. von Weichs zur Wenne) und von Neuhoff zu Pungelscheidt, wurde 1627 dem Adrian Gerwin zu Bracht zu Lehen gegeben, in der Folge 1696 Johannes Gerwin, 1748 seinem Sohne Johannes, 1759 durch Richter H. J. Hallmann dem Johannes Teipel, genannt Gerwin. Schon 1589 gab Gerwin 10 Kopfstücke, 11 Stüber als Schatzung, Goeke 5 Rtlr., an Herrenbeschwer 9 Petermännchen4). 1777 hatte der Thomas-Hof 3 Pferde, 16 Kühe, 1 Ziege, 32 Schafe und 3 Schweine. Im Jahr 1833 bewirtschaftete Franz Johannes Gerbe Ländereien in einer Größe von 290 Morgen14).

Der größte Hof von Bracht wird erstmals in der Geschichte um 1536 erwähnt. Es handelt sich um den Gutshof Geuecke mit einer Größe von etwa 400 Morgen. 1536 zahlte Hannß Geuecke 5 Goldgulden Schatzung. 1777 besaß Johann Caspar Geuecke 4 Pferde, 18 Kühe, 1 Ziege, 33 Schafe und 5 Schweine.

Im Jahr 1521 zahlte der Hof Beste eine Erbrente an die Pfarrkirche Wormbach, 1536 Hannß Beste 2 Goldgulden Schatzung. 1777 gehörten zum Hof Anna-Maria Beste 4 Pferde, 17 Kühe, 2 Ziegen, 108 Schafe und drei Schweine. 1833 hatte der Hof von Maria Walburgis Beste eine Größenordnung von 270 Morgen.

Als weitere Höfe nennt das Güterverzeichnis am 10.03.1833 Voß, Tünten, Dommes, Henkel, Peitz, Schmies, und Vollmer14).

Erwähnt sind ferner als Bewohner Brachts: 1441 Gobbelen als Zeuge vor dem Wormbacher Dechant5), 1515 Brechtkens und Margarethe Glodermans, 1589 Volmar, 1603/04 Schmith, Jost Rieflinghausen, Jörgen Beste, Jakob Grobe, Jakob Voss, 1650 Hennecke, 1652 Adrian Henkel, der nach Köln verzog, 1717 Wwe. Henkelmans (Hennecke, Wwe. Beste, Gerwin, Hüser, Schmidt, Schauerte, Peetz, Zensman, Wwe. Brechtken, Tonis Volmar, Gödecke (früher Goecke), Schuhmacher Henckel, Voss, Toennesmann, Schulte, Jakob Siecken, Rieflinghausen. 1813 müssen einen Herrenhammel liefern: Voss, Brass, Hennecken, Gerbe (Gerwin)5a).

Die erste Volkszählung führte die preußische Regierung 1818 durch. Zu diesem Zeitpunkt zählte Bracht 26 Häuser und 169 Einwohner6a). 25 Jahre später im Jahr 1843 gab es in Bracht bereits 34 Wohnhäuser, 35 Scheunen und Ställe. Bracht hatte zu diesem Zeitpunkt 219 Einwohner6b). 

 

Die neue Kirche (bis 1945)

Im Jahr 1887 entstand oberhalb der alten Kapelle, etwas weiter von der Straße entfernt, nach den Bauplänen des Baumeisters Anton Hepelmann, Schmallenberg, die neue, einschiffige Kirche. Die Grundsteinlegung erfolgte nach dem Walburgisfest in Wormbach, Anfang Mai 1887. Bereits am 13. Dezember des gleichen Jahres erhielt der Neubau die kirchliche Einsegnung durch den Kaplan Müller aus Wormbach.

Nach dem Anschluß Werntrops an die Pfarrei Bracht im Jahr 1907 erwies sich die Kirche als zu klein, um einen würdigen Gottesdienst abzuhalten. Jedoch konnte die arme Gemeinde an eine Erweiterung der Kirche erst nach Fertigstellung des Pfarrhauses und dessen Bezahlung denken. Nachdem der Rohbau des Pfarrhauses bereits vor dem Winter 1922/23 fertiggestellt war, zog Pfarrer Kaspar Kremer am 11. Juni 1924 in das neue Pfarrhaus ein, das auch heute noch in seiner ursprünglichen Form erhalten ist

Wieder sammelten und opferten die Bewohner von Bracht bis eine Summe von 9.000 RM zusammengekommen war. Der Erweiterungsbau der Kirche mit Turm wurde im Jahr 1928 nach den Plänen des Diözesanbaumeisters Kurt Matern verwirklicht. Die Gesamtkosten beliefen sich auf 18.557 RM. Durch die Baumaßnahme hatte der alte Baukörper der Kirche nach Westen hin eine Verlängerung um 6 m erfahren, während an der Nordseite der alte Bauteil lediglich um einen Meter verbreitert wurde.

Ein Fliegerangriff am Weißen Sonntag, dem 8. April 1945, zwischen 1500 und 1600 Uhr zerstörte neben einer Reihe von Häusern auch den unteren Teil der Kirche. Am Montag, dem 9. April 1945, kam es nochmals zu schweren Angriffen durch die Amerikaner, um den Widerstand in Bracht endgültig zu brechen. Mehrere Häuser begannen zu brennen. Durch Funkenflug von Schullers Haus entzündete sich das Dach der Sakristei. Von dort sprang das Feuer auf das Kirchendach über. Binnen kürzester Zeit stand das Gotteshaus in Flammen und brannte bis auf die Grundmauern nieder. Bis auf die Glocke, den Eisenschrank des Tabernakels und ein Ziborium wurde auch die gesamte Einrichtung ein Raub der Flammen. 

Da geeignete Räumlichkeiten für die Abhaltung des Gottesdienstes im zerstörten Bracht fehlten, stellte der Gastwirt Wilhelm Geueke der Kirchengemeinde ab 19. April 1945 seine beiden Wirtstuben zur Verfügung. In Versammlungen am 4. September 1945 und

10. Dezember 1945 beschloss die Gemeinde, die Kirche ab Frühjahr 1946 wiederaufzubauen. Der erste Spatenstich zu den Aufräumungsarbeiten erfolgte am 15. April 1946 durch Pfarrer Schulte. Den Grundstein mit der wichtigen Urkunde über die Kriegsereignisse in Bracht legte der Pfarrer am 22. September 1946. 

Richtfest wurde nach der Fertigstellung der Kirche, die nach den Plänen und unter der Bauleitung von Landesbaurat Niemeyer, Paderborn, erbaut worden war, am 12. Oktober 1947 gefeiert. Die schmückende Ausgestaltung des Neubaus mit der breiten Turmanlage zog sich noch bis zum 12. September 1948 hin.

Die feierliche Weihe der neuen Pfarrkirche zelebrierte Sr. Exzellenz Erzbischof Dr. Lorenz Jaeger aus Paderborn am 28. November 1948. Auf Drängen einiger Gemeindemitglieder erhielt die Kirche als Patronat „Mariä Heimsuchung“ (2. Juli) statt des bisherigen der hl. Märtyrerin Luzia.

 

Die alte Schule

Vor dem Jahr 1800 befand sich das Schulgebäude, wie alle Schulen des Sauerlandes, in einem armseligen Zustand. Es diente gleichzeitig als Lehrerwohnung. Die Schule in Bracht hatte nur eine untergeordnete Bedeutung. Sie stand im Jahr 1780 lediglich dem Namen nach in der Liste der Schulen12). Über Größe, Kinderzahl etc. ist nichts bekannt. Jedes Schulkind zahlte halbjährlich ½ Rtlr. Schulgeld.

Das alte, in seiner Bausubstanz stark beschädigte Gebäude, mußte im Jahr 1828 durch ein neues, ebenfalls kleines Schulhaus ersetzt werden. Im alten Gebäude diente die Schulstube der Lehrerfamilie zugleich als Wohnstube, auch während des Unterrichts. Im neuen Schulgebäude benutzte die Lehrerfamilie bis zum Jahr 1851 die Schulstube als Schlafzimmer.

Wegen steigender Schülerzahlen und der erneuten Baufälligkeit des bisherigen Schulgebäudes nach zwischenzeitlich 40 Jahren wurde im Jahr 1868 wiederum ein Schulgebäude errichtet, an das auf der Nordseite im Jahr 1909 ein zweites Klassenzimmer mit dünnen Wänden, kalt und ohne jeden Sonnenstrahl angebaut wurde.

Bei dem Fliegerangriff auf Bracht am Weißen Sonntag 1945, nachmittags zwischen 15.00 und 16.00 Uhr, fiel das Schulgebäude wie auch die Kirche den Bomben und dem Feuer fast ganz zum Opfer. Die Bewohner deckten die schwer beschädigte Schule mit dem Zelttuch des Schützenzeltes ab, um weitere Schäden durch eindringenden Regen zu verhindern. So konnte bereits im Jahr 1945 im alten Schulgebäude ein Klassenzimmer für einen notdürftigen Schulbetrieb wieder hergerichtet werden.

In einer Versammlung am 12. März 1950 erklärte sich die Dorfbevölkerung bereit, die für den Schulneubau erforderlichen Hand- und Spanndienste zu leisten. Für die Pläne des Neubaus zeichnete der Architekt Schneider-Esleben aus Düsseldorf verantwortlich. Den Bauauftrag bekam am 15. September 1950 das Felbecker Bauunternehmen Peetz. Bereits sieben Monate nach der Auftragsvergabe feierte die Dorfbevölkerung am 24. April 1951 das Richtfest. Zum Andenken an die einige Tage zuvor verstorbene plattdeutsche Heimatdichterin erhielt die zweiklassige Schule den Namen Christine-Koch-Schule.

  1) Vgl. B. Göbel, F. Tönne, Th. Tochtrup, Das obere Sauerland – Land und Leute S. 20 und S. 127, Josefs-Druckerei, Bigge 1966 2)  1306 Juli 24. S U B I nr. 513, 33. 3)  Vgl. darüber Groeteken, Dekanat Wormbach I 233. 4)  Urkunden in Privatbesitz. Die Lehnbriefe auf Haus Venne. 5)  Domseiffer, Aphorismen 15,5. 5a) Papierurkunden in Privatbesitz. Im Schatzungsregister 1717 sind wie immer manche Namen falsch geschrieben. Kurköln. Landstände. 6a) Vgl. der Kreis Eslohe im Jahre 1819 (Archiv des Landkreises Meschede) 6b) Vgl. Lehrer Gördes, Chronik der Gemeinde Wormbach 7)  Urkunden und Akten im Besitze von Gerhard Hebbecker-Bracht. 8)  S U B I nrn. 30 und 50. 9)  Vgl. Groeteken, Dekanat Wormbach I 105 und Anm. 157, ferner 5. 117. 10)  Archiv der Kurkölnischen Landstände zu Arnsberg 11) Vgl. Alb. Groeteken, Pfarrei Wormbach 29 12) J. Lamers, Die Industrieschulen, Statistik Nr. 222 13) Vgl. Friedr. Albert Groeteken, Geschichte der Pfarrei Bracht bei Schmallenberg, S. 7 - 9, 13 -16, 19 - 21 14) Vgl. Klaus-J. Lauber, Reiste, Stammreihen Sauerländischer Familien, Band V, Kirchspiel Wormbach 1978 15) Luftlinie

 

 

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